VORSTELLUNG BERUFSBILD HYGIENEFACHKRAFT IM RAHMEN DES „WIENER TAG DER PFLEGE“

www.pflegetag.wien

Warum ist dieser Job der richtige für mich?

Meine Aufgaben sind spannend, herausfordernd und abwechslungsreich. Ich plane selbstständig und bin fachlich verantwortlich. Dabei muss ich wissenschaftlich fundiert vorgehen, kann aber bei der Umsetzung kreativ sein.

Tätigkeitsbeschreibung

Um krankmachende Keime zu finden und mögliche Infektionen zu reduzieren bzw. zu verhindern erarbeitet Hygiene für alle Gesundheitsberufe und Einrichtungen Maßnahmen und Vorgaben. Diese werden nach wissenschaftlichen Erkenntnissen erstellt. Damit versucht man die Gesundheit des Einzelnen sowie die der Gesellschaft zu erhalten und persönliches Leid und Kosten zu reduzieren.

Neugierig geworden? Um einen besseren Einblick zu erhalten habe ich einen Auszug aus dem Alltag einer Hygienefachkraft abgebildet.

Das Tätigkeitsfeld der Hygienefachkraft

Hygiene ist ein spannendes herausforderndes und abwechslungsreiches Arbeitsfeld. Kein Tag verläuft wie der vorherige, Routine lässt sich nur bedingt einbauen.

Was macht man nun eigentlich in der Hygiene? Primär stellt man sich viele analytische Fragen. Man schaut auf alle vorhandenen Prozesse und überlegt wie hoch das Risiko dabei ist. Dann werden die Prozesse priorisiert und der Reihe nach bearbeitet. Bei dieser Auswahl hilft uns auch eine Vielzahl von fachlichen und rechtlichen Vorgaben. Hygieneaufgaben sind im Bundesgesetz und weiterführend in den Landesgesetzen geregelt. Ein Bundesqualitätsstandard, der durch den Zielsteuerungsvertrag seine Umsetzung findet unterstützt uns bei unseren Tätigkeiten. In regelmäßigen Abständen wird die Einhaltung der Prozess- und Strukturqualität durch die Sanitätsbehörde geprüft.

Zum besseren Verständnis möchte ich nun einige Tätigkeiten aufzählen.

Wenn es zu einem Um-, Zu-, und Neubau kommt müssen wir ab der Planung dabei sein. Abhängig von der betroffenen Fachdisziplin und Risikoeinschätzung der Betriebsorganisation müssen die funktionellen Abläufe nachvollziehbar sein und hygienischen Vorgaben entsprechen. Das betrifft u.a. die Wegeführung, die Ver-, und Entsorgung, die Aufbereitung, die Versorgung des Raumes/Gebäudes mit Wasser und Luft, die Klimatisierung, sowie die Oberflächen und die darin befindlichen Geräte und Medizinprodukte. Um diese Parameter auch fachlich korrekt beurteilen zu können liegen Normen und Richtlinien auf.

 

 

 

 

 

Abbildung 1 Kontrolle des Betriebsmittels Wasser vor Inbetriebnahme

 

Während der Bautätigkeiten müssen dann ebenfalls alle Maßnahmen, die problematisch werden könnten auf deren Einhaltung geprüft werden und ggf. nachkorrigiert werden. Wenn das Projekt dann abgeschlossen ist muss die Hygiene abschließend beurteilen, ob der Betrieb aufgenommen werden kann und erarbeitet gemeinsam mit dem Nutzer Vorgaben für die Abläufe.

  

 

 

 

Abbildung 2 Festlegung der Staubschutzmauer für den Umbau
Abbildung 3 Abstimmung bauliche Sanierung vor Ort im laufenden Betrieb

 

Ein weiterer Punkt ist die verpflichtende Surveillance, dabei werden bei vergleichbaren Operationen bzw. Behandlungsindikatoren nach wissenschaftlich einheitlichen Regelwerken laufend Infektionen erfasst, analysiert und bewertet. Diese Kennzahlen ermöglichen eine Maßnahmensteuerung. Mit diesen Methoden können alle möglichen Problemstellen detektiert werden, Voraussetzung dafür sind Vergleichszahlen.

 

 

 

Abbildung 5 Kurvenvisite bei der Surveillance von Wundinfektionen
Abbildung 4 Händehygieneschulung im Rahmen einer Schwerpunktaktion

 

Um die hygienische Qualität weiter zu entwickeln muss man fachlich informiert sein. Das bedeutet wissenschaftlich arbeiten, recherchieren, analysieren und Erkenntnisse ableiten. Es gibt relevante Hygienevorgaben die evidenzbasiert unbedingt umgesetzt werden müssen und dann gibt es Hinweise in der Literatur, wo eine Umsetzung vorteilhaft wäre. Solche Prozesse zu implementieren und fachlich zu begleiten sind herausfordernd und spannend. Dabei kann man auch selber Studien initiieren bzw. begleiten und sich und der Fachwelt Fragen beantworten und Daten und Erkenntnisse zur Verfügung stellen.

Bei so einer hohen Erwartung von Expertise stellt sich die Frage ob man das alles alleine können muss?

Nein, Hygienearbeit erfolgt im Team. Fachlich im Hygieneteam, wie auch in Netzwerken sowie bei der Recherche von evidenzbasierter Literatur. Und die tägliche Umsetzung ist eine ständige Abstimmung und ein Austausch mit den Expertinnen und Experten in den Bereichen. Dabei bringt jede Seite seine fachlichen sowie praktischen Beiträge in die Diskussion ein und nach einer gemeinsamen Festlegung werden Vorgaben erstellt. Prozessbeobachtungen und Umgebungsuntersuchungen erleichtern das gegenseitige Verständnis für Umsetzungsprobleme und helfen bei der Evaluierung. Besonders risikogeneigte Abläufe müssen auch geübt und geschult werden.

Was ist noch Hygienearbeit? Kenntnis von Vorgaben und Regelwerken sowie Prüfkennzahlen. Damit können medizinische Geräte eingestuft, geprüft und freigegeben werden. Das Augenmerk liegt dabei auf der korrekten Aufbereitung und der einwandfreien hygienischen Funktion. Jedes Material, jede Oberfläche die direkt oder indirekt mit Patientinnen und Patienten in Kontakt kommt muss vom Hygieneteam bewertet und freigegeben werden.

Dieser Überblick ist ein kleiner Ausschnitt der Hygienearbeit und soll neugierig machen, soll aufzeigen wie spannend und abwechslungsreich dieses Sonderfach der Gesundheits- und Krankenpflege ist. Bereits in der Spezialisierung wird man fachlich gut auf die Herausforderungen vorbereitet. Die Berufserfahrung und allmähliche Routine geben Sicherheit. Hygiene darf ganz viel an der Gesunderhaltung beitragen und fordert unterschiedlichste Interessen und Fähigkeiten des Einzelnen.

Ich hoffe, ich konnte Ihr Interesse für die Hygienearbeit wecken, für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung. (office@oegkh.ac.at)

 

Verfasserin:

 

Gerlinde Angerler, BA

Hygienefachkraft/Leitung Hygienekompetenzzentrum

Labcon medizinische Laboratorien